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MPS I: Überblick

Bei Patienten mit Mukopolysaccharidose (MPS) Typ I ist das Risiko einer schweren Morbidität und frühzeitigen Mortalität erhöht1

Die MPS I ist eine progressive Erkrankung2 und wird in drei Subtypen eingeteilt, die als Morbus Hurler (MPS I-H), Morbus Hurler/Scheie (MPS I-H/S) und als Morbus Scheie (MPS I-S) bezeichnet werden.3 Alle Subtypen der MPS I werden durch einen Mangel des Enzyms α-L-Iduronidase verursacht, das zum Abbau der Glykosaminoglykane (GAG) Heparansulfat und Dermatansulfat benötigt wird.2,4 Dieser Enzymmangel führt zu progressiven, multisystemischen Manifestationen.2

  • Die MPS I-H tritt meist in den ersten zwei Lebensjahren auf und äußert sich als Entwicklungsverzögerung mit Abnahme der kognitiven Fähigkeiten und schneller Progression1,2
  • Die MPS I-H/S tritt meist im Alter zwischen 3 und 7 Jahren auf, geht nicht oder nur mit einer leichten Abnahme der kognitiven Fähigkeiten einher und weist eine langsamere Progression auf1,2
  • Die MPS I-S tritt meist im Alter zwischen 5 und 13 Jahren auf, ist nicht mit einer Abnahme der kognitiven Fähigkeiten verbunden und weist eine langsamere Progression auf1,2

Erscheinungsbild

  • Symptome treten je nach defektem Enzym und Progressionsrate der Krankheit in unterschiedlichem Alter auf:1
    • H: Alter 0 bis 2 Jahre
    • H/S: Alter 3 bis 7 Jahre
    • S: Alter 5 bis 13 Jahre
  • Das beobachtete Erscheinungsbild umfasst:5
    • Veränderungen der Gesichtszüge
    • Eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit
    • Skelettfehlbildung
    • Makrozephalus
    • Häufige Atemwegsinfekte
    • Kardiomyopathie
    • Rezidivierende Ohrinfektionen
    • Hernien
    • Kyphose/Gibbus
  • Spezifische Empfehlungen zur Berücksichtigung von MPS I beinhalten:6
    • Bei Kindern mit Gibbus, vergrößerter Zunge und/oder zwei oder mehr Operationen vor einem Alter von 18 Monaten sollte eine diagnostische Untersuchung veranlasst werden
    • Bei Kindern ab 2 Jahren mit Klauenhänden, Herzproblemen und/oder zwei oder mehr Operationen vor einem Alter von 10 Jahren sollte eine diagnostische Untersuchung veranlasst werden

Krankheitsprogression

  • Krankheitslast insgesamt:
    • Bei den Patienten kommt es zu Multiorganversagen und hoher Krankheitslast1
    • Diese progressive, auszehrende Erkrankung stellt für die Patienten und deren Angehörige außerdem eine psychische und finanzielle Belastung dar5
  • Hurler (H):
    • Die Symptome treten kurz nach der Geburt auf, schreiten rasch voran und umfassen in der Regel:1
      • Entwicklungsverzögerung und Abnahme der kognitiven Fähigkeiten
      • Grobe Gesichtszüge
      • Gelenksteife und -kontrakturen
      • Kleinwuchs
      • Hepatosplenomegalie
      • Atemwegs- und Herzerkrankungen
    • Unbehandelt sterben die Patienten in der Regel im ersten Lebensjahrzehnt, häufig aufgrund eines Herz-Lungen-Versagens und neurologischer Symptome1,5
  • Hurler-Scheie (H/S) und Scheie (S):
    • Das Erscheinungsbild ist je nach Alter verschieden:7
      • Hernien treten in der Regel vor dem 6. Lebensjahr auf
      • Gelenkkontrakturen und Dysostosis multiplex treten in der Regel in einem Alter zwischen 5 und 12 Jahren auf
      • Im Jugendalter kommt es häufig zu Skoliose, Karpaltunnelsyndrom und kongestiver Herzinsuffizienz
      • Ein Glaukom, eine Kardiomyopathie und eine Myelopathie entwickeln sich typischerweise im frühen Erwachsenenalter
    • Unbehandelt sterben Patienten mit MPS I-H/S in der Regel im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt1
    • Unbehandelt zeigen Patienten mit MPS I-S normalerweise eine erhebliche Morbidität1
  • Patienten mit MPS I haben eine hohe Operationslast, die sich wie folgt äußern kann:6
    • Myringotomien
    • Hernienoperationen, häufig mit wiederholten Eingriffen
    • Adenotomie
    • Tonsillektomie
    • Ventrikuloperitonealer Shunt
    • Wirbelsäulenoperationen
    • Karpaltunneloperation
    • Orthopädische Eingriffe an Hüfte, Knien und Füßen
  • Da es bei Patienten mit MPS I aufgrund von Atemwegsobstruktionen häufig zu Narkosekomplikationen kommt, ist bei Operationen besondere Vorsicht geboten8

Genetik

  • MPS I wird durch Mutationen im Gen der α-L-Iduronidase (IDUA) verursacht4
  • Für IDUA sind mehr als 100 pathogene Varianten bekannt9
  • Diese Mutationen führen zur Anreicherung der GAG Heparan- und Dermatansulfat4

Wichtige Behandlungsaspekte

  • Der mögliche Einsatz von Enzymersatztherapie und hämatopoetischer Stammzelltransplantation (HSZT) sind wichtige Überlegungen bei der Behandlung von MPS I:1,5
  • Patienten mit Morbus Hurler, der vor einem Alter von 2,5 Jahren diagnostiziert wird, sollten einer HSZT zugeführt werden10
  • Alle anderen Patienten sollten eine Enzymersatztherapie erhalten.10
  • Verfügbare Behandlungsleitlinien:
    • Martins AM et al. Guidelines for the management of mucopolysaccharidosis type I. J Pediatr 2009;155(4)(suppl 2):S32–S46.
    • Muenzer J et al. International Consensus Panel on the Management and Treatment of Mucopolysaccharidosis I. Mucopolysaccharidosis I: management and treatment guidelines. Pediatrics 2009;123(1):19–29.
    • de Ru MH et al. Enzyme replacement therapy and/or hematopoietic stem cell transplantation at diagnosis in patients with mucopolysaccharidosis type I: results of a European consensus procedure. Orphanet J Rare Dis 2011;6(55):1–9.
    • Langereis EJ et al. Treatment of hip dysplasia in patients with mucopolysaccharidosis type I after hematopoietic stem cell transplantation: results of an international consensus procedure. Orphanet J Rare Dis 2013;8(155):1–16.

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Verweise:  1. Beck M et al. The natural history of MPS I: global perspectives from the MPS I Registry. Genet Med.2014;16(10):759–765.   2. Clarke LA et al. Long-term efficacy and safety of laronidase in the treatment of mucopolysaccharidosis I. Pediatrics 2009;132(1):229–240.   3. Yasuda E et al. Long-term follow-up of post hematopoietic stem cell transplantation for Hurler syndrome: clinical, biochemical, and pathological improvements. Mol Genet Metab Rep 2015;2:65–76.   4. Shapiro EG et al. Neurocognition across the spectrum of mucopolysaccharidosis type I: age, severity, and treatment. Mol Genet Metab 2015;116(1-2):61–68.   5. Muenzer J et al. International Consensus Panel on the Management and Treatment of Mucopolysaccharidosis I. Mucopolysaccharidosis I: management and treatment guidelines. Pediatrics 2009;123(1):19–29.   6. Arn P et al. Characterization of surgical procedures in patients with mucopolysaccharidosis type I: findings from the MPS I Registry. J Pediatr 2009;154(6):859–864.e3.   7. Thomas JA et al. Childhood onset of Scheie syndrome, the attenuated form of mucopolysaccharidosis I. J Inherit Metab Dis 2010;33(4):421–427.   8. Semenza GL et al. Respiratory complications of mucopolysaccharide storage disorders. Medicine 1988;67(4):209–219.  9. Clarke LA et al. Mucopolysaccharidosis type I. In: Pagon RA et al eds. GeneReviews® Seattle, WA: University of Washington, Seattle; 2002. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK1162/?report=reader. Accessed July 31, 2015.  10. de Ru MH et al. Enzyme replacement therapy and/or hematopoietic stem cell transplantation at diagnosis in patients with mucopolysaccharidosis type I: results of a European consensus procedure. Orphanet J Rare Dis. 2011;6(55):1–9.