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MPS III: Überblick

Bei Patienten mit Mukopolysaccharidose (MPS) Typ III ist das Risiko einer schweren Morbidität und frühzeitigen Mortalität erhöht1

Die auch als Sanfilippo-Syndrom bezeichnete MPS III wird durch einen Mangel an einem von 4 Enzymen (Heparan-N-Sulfatase, α-N-Acetylglucosaminidase, Acetyl-CoA:α-Glucosaminid-N-Acetyltransferase und N-Acetylglucosamin-6-Sulfatase) verursacht, wobei jeder einzelne Mangel mit je einer der 4 Unterformen der Krankheit (MPS IIIA, IIIB, IIIC und IIID) verbunden ist. Die resultierende intrazelluläre Anreicherung des Glykosaminoglykans (GAG) Heparansulfat führt zu einer progressiven, multisystemischen Erkrankung, deren kennzeichnendes Merkmal die Degeneration des zentralen Nervensystems ist.1,2

Erscheinungsbild

  • Symptome treten je nach defektem Enzym und Progressionsrate der Krankheit in unterschiedlichem Alter auf:1 MPS IIIA und IIIB manifestieren sich in der Regel im Alter zwischen 1 und 4 Jahren, während die MPS IIIC und IIID meist in einem Alter von ca. 7 Jahren auftreten1
  • Ein klinisches Muster mit progressiver Abnahme der kognitiven Fähigkeiten einschließlich Sprachentwicklungsverzögerung, Verhaltensstörungen wie Aggressivität, Hyperaktivität, Schlafstörungen und herausforderndes Verhalten in Kombination mit dysmorphen Merkmalen, Kardiomegalie, Epilepsie und/oder orthopädischen Fehlbildungen sollte eine Untersuchung auf MPS III veranlassen1
  • Prävalenz:
    • MPS IIIA ist in Nordeuropa häufiger1
    • MPS IIIB ist in Südeuropa häufiger1 und tritt auch in einer türkischstämmigen Population in Deutschland mit größerer Häufigkeit auf3

Krankheitsprogression

  • Krankheitslast insgesamt:
    • Bei den Patienten kommt es in der Regel zu einer schweren Degeneration des zentralen Nervensystems mit langsamem Verlust von Fähigkeiten und Ausbildung einer Gangstörung, bis sie schließlich in einen vegetativen Zustand verfallen1
    • Die Patienten zeigen in einem Alter zwischen 3 und 10 Jahren schwere Verhaltensstörungen, sind körperlich jedoch recht robust und beweglich, weshalb der Umgang mit ihnen für die Pflegekräfte häufig eine Herausforderung darstellt2
    • Diese progressive, auszehrende Erkrankung stellt für die Patienten und deren Angehörige außerdem eine starke psychische und finanzielle Belastung dar1,4
  • Allgemeine Krankheitsprogression:
    • Eine Entwicklungsverzögerung tritt in der Regel im Alter zwischen 1 und 4 Jahren auf2
    • Betroffene Patienten im Alter zwischen 3 und 10 Jahren zeigen schwere Wutanfälle, Hyperaktivität, Schlafstörungen, Aggressivität und Aufmerksamkeitsstörungen2
    • In späteren Krankheitsstadien ist die Beweglichkeit aufgrund einer Gelenkerkrankung meist eingeschränkt und es kommt zu Krampfanfällen, die in einem vegetativen Zustand enden können1,2
  • Patienten mit der am schnellsten fortschreitenden Krankheitsform sterben oftmals im mittleren bis späten Teenageralter aufgrund einer Atemwegsinfektion und einer neurologischen Erkrankung, während andere Patienten bis zum Ende des vierten Lebensjahrzehnts leben können1,2
  • Patienten mit MPS III weisen nur leichte Anomalien des Bewegungsapparats auf und benötigen daher weniger chirurgische Eingriffe als Patienten mit anderen MPS-Typen. Mögliche benötigte Operationen sind:1
    • Myringotomien
    • Hernienoperation
    • Karpaltunneloperation

Genetik

  • Die MPS III ist eine polygene Erkrankung, bei der jeder Subtyp mit einem anderen Gen verknüpft ist:1,2
    • MPS IIIA wird durch Mutationen im Gen der Heparan-N-Sulfatase (SGSH) verursacht.
    • MPS IIIB wird durch Mutationen im Gen der α-N-Acetylglucosaminidase (NAGLU) verursacht
    • MPS IIIC wird durch Mutationen im Gen der Acetyl-CoA: α-Glucosaminid-N-Acetyltransferase (HGSNAT) verursacht
    • MPS IIID wird durch Mutationen im Gen der N-Acetylglucosamin-6-Sulfatase (GNS) verursacht
  • Diese genetischen Mutationen führen zu einem Enzymmangel und zur Anreicherung des GAG Heparansulfat2

Wichtige Behandlungsaspekte

  • Derzeit sind keine Arzneimittel zur Behandlung der MPS III zugelassen, es laufen jedoch klinische Studien, in denen neuartige therapeutische Ansätze untersucht werden
  • Verfügbare Behandlungsempfehlungen:
    • Delaney KA, et al. Methods of neurodevelopmental assessment in children with neurodegenerative disease: Sanfilippo syndrome. JIMD Rep. 2014;13:129–137.
    • de Ruijter J, et al. Growth in patients with mucopolysaccharidosis type III (Sanfilippo disease). J Inherit Metab Dis. 2014;37(3):447–454.

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Verweise:  1. Andrade F et al. Sanfilippo syndrome: overall review. Pediatr Int 2015;57(3):331–338.   2. Yogalingam G et al. Molecular genetics of mucopolysaccharidosis type IIIA and IIIB: diagnostic, clinical, and biological implications. Hum Mutat 2001;18(4):264–281.   3. Baehner F et al. Cumulative incidence rates of the mucopolysaccharidoses in Germany. J Inherit Metab Dis 2005;28(6):1011–1017.   4. Grant S et al. Parental social support, coping strategies, resilience factors, stress, anxiety and depression levels in parents of children with MPS III (Sanfilippo syndrome) or children with intellectual disabilities (ID). J Inherit Metab Dis 2013;36(2):281–291.