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Neurologische Manifestationen

Bei Personen mit Mukopolysaccharidose (MPS) kommt es häufig zu einer neurologischen Beteiligung, die zu den ersten auftretenden Symptomen gehören kann. Für Neurologen ist es wichtig, bei einer Vielzahl von Erscheinungsbildern an eine MPS zu denken, da die Muster der neurologischen Beteiligung je nach MPS-Typ erheblich voneinander abweichen können. Die MPS kann mit oder ohne geistige Behinderung auftreten, und bei manchen MPS-Typen besteht die Beteiligung des zentralen Nervensystems in erster Linie in einer Subluxation der Halswirbelsäule und Rückenmarkkompression.1–3

Neben diesen häufigen neurologischen Anzeichen und Symptomen sollten die folgenden Merkmale ebenfalls Ihren Verdacht auf MPS bestärken:1

  • Bei einigen MPS-Erkrankungen kommt es zu einer geistigen Behinderung und Verhaltensauffälligkeiten, während diese neurologischen Beeinträchtigungen bei anderen MPS-Erkrankungen nicht auftreten
  • Karpal- und Tarsaltunnelsyndrome sind die häufigsten Merkmale einer Beeinträchtigung des peripheren Nervensystems

Kernspinresonanztomographische Aufnahme eines MPS-Patienten mit ausgeprägtem supratentorialen Hydrozephalus.

Mit freundlicher Genehmigung von Dr. M. Grimaldi und Dr. R. Parini (Monza).

Kernspinresonanztomographische Aufnahme des kraniozervikalen Übergangs mit Kopf in neutraler Position (oben) und mit Flexion des Kopfes zum Hals (unten). Zu sehen ist die Einengung des Wirbelkanals am kraniozervikalen Übergang mit resultierender Rückenmarkkompression (roter Pfeil).

Mit freundlicher Genehmigung von Dr. M. Grimaldi und Dr. R. Parini (Monza).

Kernspinresonanztomographische Aufnahme mit vergrößerten Perivaskulärräumen (besonders ausgeprägt in den Nuclei der Basis), die bei diesem erwachsenen Patienten mit MPS nicht mit einer starken funktionellen Beeinträchtigung verknüpft sind.

Mit freundlicher Genehmigung von Dr. M. Grimaldi und Dr. R. Parini (Monza).

Atemwegsmanifestationen

Menschen mit Mukopolysaccharidose (MPS) weisen häufig Atemwegssymptome auf, die zur Diagnose einer MPS führen können. Atemwegsobstruktion und Atemwegsstörungen sind auffällige Merkmale von MPS und können bereits im Frühstadium der Krankheit fortschreiten.1

Atemwegserkrankungen sind bei den meisten MPS-Typen prävalent und äußern sich auf verschiedenartige Weise, darunter als Atemwegsverengung und schlafbezogene Atmungsstörungen.2

Neben diesen häufigen Atemwegsbeschwerden sollten die folgenden Merkmale ebenfalls Ihren Verdacht auf MPS bestärken:

  • Progressive respiratorische Insuffizienz und aufgetriebener Bauch, die auf eine restriktive Lungenerkrankung hinweisen2
  • Signifikant kleinere retropalatale und retroglossale Räume sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen3
  • Anomalien, die zu einer eingeschränkten ventilatorischen Kapazität führen und sich als verminderte Vitalkapazität äußern:4
    • Hepatosplenomegalie
    • Kyphoskoliose
    • Pectus carinatum
    • Kleinwuchs
    • Skelettdysplasie

Röntgenaufnahme der anteroposterioren Brust einer 11‑jährigen Patientin mit MPS VI mit verdickten, aber nicht ruderblattförmigen Rippen und verdickten Schlüsselbeinen.

Quelle: Skeletal Radiology, volume 43, issue 3. Lachman RS, Burton BK, Clarke LA, Hoffinger S, Ikegawa S, Jin D-K, Kano H, Kim O-H, Lampe C, Mendelsohn NJ, Shediac R, Tanpaiboon P, White KK. Mucopolysaccharidosis IVA (Morquio A syndrome) and VI (Maroteaux-Lamy syndrome): under-recognized and challenging to diagnose. Pages 359–369. Copyright (C) Lachman RS, Burton BK, Clarke LA, Hoffinger S, Ikegawa S, Jin D-K, Kano H, Kim O-H, Lampe C, Mendelsohn NJ, Shediac R, Tanpaiboon P, White KK 2014.

Mehrschicht-computertomographische Aufnahmen der Trachea von Patienten mit MPS.

Mit freundlicher Genehmigung von Dr. M. Grimaldi und Dr. R. Parini (Monza).

Bronchoskopie bei einem Patienten mit MPS.

Mit freundlicher Genehmigung von Dr. A. Keilmann (Mainz).

Manifestationen an Hals, Nase und Ohren

Bei Personen mit Mukopolysaccharidose (MPS) kommt es häufig zu Manifestationen im Bereich von Hals, Nase und Ohren (HNO), die oftmals zu den ersten Symptomen zählen. Häufig beobachtete Manifestationen sind u. a. adenotonsilläre Hypertrophie, häufige Infektionen der oberen Atemwege und Hörverlust.1,2

HNO-Symptome, insbesondere in Verbindung mit anderen systemischen Anzeichen und Symptomen, sollten eine Überweisung an einen Genetiker oder ein Stoffwechselzentrum veranlassen.3,4 Neben den häufigen Anzeichen im HNO-Bereich und in den Atemwegen sollten die folgenden zusätzlichen Merkmale ebenfalls Ihren Verdacht auf MPS bestärken:5

  • Grobe Gesichtszüge
  • Vergrößerung von Kopf und Zunge
  • Unregelmäßig geformte Zähne

Computertomographische Aufnahme des Ohrs eines Patienten mit MPS.

Mit freundlicher Genehmigung von Dr. M. Grimaldi und Dr. R. Parini (Monza).

Bronchoskopie bei einem Patienten mit MPS.

Mit freundlicher Genehmigung von Dr. A. Keilmann (Mainz).

Mehrschicht-computertomographische Aufnahmen der Trachea von Patienten mit MPS.

Mit freundlicher Genehmigung von Dr. M. Grimaldi und Dr. R. Parini (Monza).

Augenmanifestationen

Augenmanifestationen zeigen sich häufig vor anderen Merkmalen von Mukopolysaccharidosen (MPS) und sind je nach Typ und Schweregrad der MPS-Erkrankung verschieden. Hornhauttrübung ist ein charakteristisches Merkmal von MPS.1

Augensymptome, die häufig zu einer Sehstörung führen, wurden bei allen MPS-Typen beschrieben und sollten den Verdacht auf MPS wecken.

Häufig auftretende Augenmanifestationen umfassen:2

  • Hornhauttrübung
  • Retinopathie
  • Glaukom
  • Schwellung und Atrophie des Sehnervs
  • Starke Hyperopie
  • Periphere Hornhautvaskularisation
  • Progressiver Pseudoexophthalmus
  • Hypertelorismus
  • Amblyopie
  • Strabismus

Eintrübung der Hornhaut aufgrund der Ablagerung von Mukopolysacchariden bei einem Patienten mit MPS.

Mit freundlicher Genehmigung von Dr. A. Magalhães (Porto).

Optikusatrophie bei einem Patienten mit MPS.

Mit freundlicher Genehmigung von Dr. A. Magalhães (Porto).

Papillenödem bei einem Patienten mit MPS.

Mit freundlicher Genehmigung von Dr. A. Magalhães (Porto).

Rheumatologische Manifestationen

Knochen- und gelenkbezogene Merkmale treten bei den meisten Formen der Mukopolysaccharidosen (MPS) häufig bereits in einem sehr frühen Stadium der Erkrankung auf. Patienten mit diesen Arten von Manifestationen am Bewegungsapparat werden häufig bei einem Rheumatologen vorstellig, und dies oftmals vor der Diagnose einer MPS.1

Die rheumatologische Beteiligung ist durchgängig progressiv, wobei Inzidenz und Schweregrad mit der Zeit zunehmen. Auch wenn Patienten mit MPS in der Regel eine Reihe verschiedener oder eine Anhäufung von Symptomen zeigen, können schon einzelne Symptome ausreichen, um eine Überweisung an einen Genetiker oder ein Stoffwechselzentrum zu begründen.1,2

Die Anzeichen und Symptome können diskret oder deutlich sein. Häufig auftretende Knochen- und Gelenkmerkmale, die eine MPS vermuten lassen, sind:1

  • Frühzeitige Gelenkbeteiligung ohne klassische Entzündungsmerkmale oder erosive Knochenläsionen
  • „Klauenhand‟
  • Deformierte Wirbelsäule (leichter oder deutlicher Buckel, Skoliose, Kyphose, Lordose)
  • Radiologischer Befund einer Dysostosis multiplex

Rheumatologen sollten bei Patienten mit einem der folgenden Merkmale zudem eine Überweisung zur Abklärung einer MPS in Erwägung ziehen:

  • Oligoartikuläre juvenile idiopathische Arthritis, die nicht auf eine entzündungshemmende Therapie (z. B. mit nichtsteroidalen Antirheumatika) anspricht3,4
  • Familiärer Hintergrund mit ähnlich betroffenen Geschwistern4,5
  • Magnetresonanztomographischer Befund einer proliferativen Synovitis ohne Erosionen4
  • Gelenkschmerzen und -kontrakturen ohne systemische oder lokale Entzündungszeichen6

Manifestationen einer Dysostosis multiplex in den Händen. Röntgenaufnahme der Hände eines MPS-Patienten im frühen Kindesalter mit mäßig starker proximaler Zuspitzung und verbreiterten Metakarpalknochen mit dünnen Rinden.

Reproduziert mit freundlicher Genehmigung aus: Lachman, J Pediatr Rehabil Med, 2010.

Anteroposteriore Röntgenaufnahme von Becken und Hüften eines 27-jährigen Patienten mit Morbus Morquio A. Zu sehen ist eine leicht dysplastische Femurkopfepiphyse mit Gelenkspaltverengung und Sklerose (degenerative Arthrose).

Quelle: Skeletal Radiology, volume 43, issue 3. Lachman RS, Burton BK, Clarke LA, Hoffinger S, Ikegawa S, Jin D-K, Kano H, Kim O-H, Lampe C, Mendelsohn NJ, Shediac R, Tanpaiboon P, White KK. Mucopolysaccharidosis IVA (Morquio A syndrome) and VI (Maroteaux-Lamy syndrome): under-recognized and challenging to diagnose. Pages 359-369. Copyright (C) Lachman RS, Burton BK, Clarke LA, Hoffinger S, Ikegawa S, Jin D-K, Kano H, Kim O-H, Lampe C, Mendelsohn NJ, Shediac R, Tanpaiboon P, White KK 2014.

Röntgenaufnahme eines MPS-Patienten mit Valgusstellung der Knie.

Mit freundlicher Genehmigung von BioMarin.

Kardiovaskuläre Manifestationen

Bei Menschen mit Mukopolysaccharidose (MPS) wird häufig eine kardiale Beteiligung beobachtet, die zu erheblicher Morbidität und möglicher vorzeitiger Mortalität führt. Ein frühzeitiger Verdacht ist daher von wesentlicher Bedeutung, unabhängig davon, ob die Herzsymptome allein oder zusammen mit anderen Symptomen auftreten.1

Die häufigsten kardiologischen Befunde bei MPS in einer Untersuchung von 28 Patienten im Alter von 2 bis 14 Jahren waren:1

  • Linksseitige Herzklappenläsionen
  • Linksventrikulärer Hypertrophie
  • Pulmonale Hypertonie

Neben diesen oben erwähnten häufigen Herzbeschwerden sollten die folgenden Anzeichen ebenfalls Ihren Verdacht auf MPS bestärken:

  • Schweres Erscheinungsbild einer Herzkrankheit, insbesondere im frühen Lebensalter1,2
  • Breite, verdickte, ruderblattförmige Rippen auf Röntgenaufnahmen der Brust3
  • Ältere Patienten mit kardialen Anzeichen und Symptomen, entweder allein oder zusammen mit anderen Symptomen einer MPS4
Mitralklappenbeteiligung bei einem Patienten mit MPS in einem Alter von 6 Monaten.

Mit freundlicher Genehmigung von Dr. P. Russo und Dr. R. Parini (Monza).

Aortenklappenerkrankung bei einem Patienten mit fortgeschrittener MPS. Man beachte die Retraktion der Klappensegel.

Mit freundlicher Genehmigung von Dr. P. Russo und Dr. R. Parini (Monza).

Pseudohypertrophie des interventrikulären Septums bei einem Patienten mit MPS.

Mit freundlicher Genehmigung von Dr. P. Russo und Dr. R. Parini (Monza).

Muskuloskelettale Manifestationen

Klassischerweise sind Mukopolysaccharidosen (MPS) mit einer Reihe von Anzeichen und Symptomen verbunden, die als Dysostosis multiplex bezeichnet wird, wobei die MPS III eine Ausnahme bildet. Die Erkennung früh auftretender und nicht-klassischer Skelettsymptome vor einer auffälligen Krankheitsprogression im Skelett kann jedoch das frühere Erkennen ermöglichen und sollte die Überweisung an einen Genetiker oder ein Stoffwechselzentrum veranlassen.1,2

Die meisten MPS-Typen sind durch Skelettanomalien und Gelenkerkrankungen charakterisiert, wobei die Dysostosis multiplex eine herausragende Stellung einnimmt.1,2

  • Die verschiedenen MPS-Patienten zeigen unterschiedliche Schweregrade der Dysostosis multiplex, wobei die Merkmale frühzeitig oder isoliert auftreten können
  • Isolierte Skelettmerkmale von MPS umfassen Wachstumsverzögerung, Ganganomalie und Hüftschmerzen
  • Bei Patienten mit nicht-klassischem Morbus Morquio A (MPS IVA) und langsam fortschreitender MPS VI wurde über eine dysplastische Femurkopfepiphyse berichtet

Röntgenaufnahme mit Manifestationen einer Dysostosis multiplex in Becken und Hüften eines MPS-Patienten. Abgerundete Darmbeinschaufeln, doppelt konturierte Darmbeinseitenwände (Pfeile) und verlängerte Femurhälse.

Reproduziert mit freundlicher Genehmigung aus: Lachman, J Pediatr Rehabil Med, 2010.

Röntgenaufnahme der Brust eines MPS-Patienten mit ruderblattförmigen Rippen und kurzen, verdickten Schlüsselbeinen (Pfeile).

Reproduziert mit freundlicher Genehmigung aus: Lachman, J Pediatr Rehabil Med, 2010.

Anteroposteriore Röntgenaufnahme von Becken und Hüften eines 27-jährigen Patienten mit Morbus Morquio A. Zu sehen ist eine leicht dysplastische Femurkopfepiphyse mit Gelenkspaltverengung und Sklerose (degenerative Arthrose).

Quelle: Skeletal Radiology, volume 43, issue 3. Lachman RS, Burton BK, Clarke LA, Hoffinger S, Ikegawa S, Jin D-K, Kano H, Kim O-H, Lampe C, Mendelsohn NJ, Shediac R, Tanpaiboon P, White KK. Mucopolysaccharidosis IVA (Morquio A syndrome) and VI (Maroteaux-Lamy syndrome): under-recognized and challenging to diagnose. Pages 359–369. Copyright (C) Lachman RS, Burton BK, Clarke LA, Hoffinger S, Ikegawa S, Jin D-K, Kano H, Kim O-H, Lampe C, Mendelsohn NJ, Shediac R, Tanpaiboon P, White KK 2014.

Allgemeine Erscheinung

Es gibt deutliche und im Allgemeinen sichtbare Anzeichen, die unabhängig von den klinischen Begleitumständen den Verdacht auf eine Mukopolysaccharidose (MPS) wecken sollten, darunter:1–18

  • Grobe Gesichtszüge
  • Kleinwuchs/Wachstumsverzögerung
  • Knochendysplasie
  • Makrozephalus
  • Ganganomalie/gebeugte Beine
  • Klauenhände/eingeschränkte Geschicklichkeit
  • Gelenksteife oder -laxität/verminderte Gelenkbeweglichkeit
  • Vergrößerte Zunge
  • Diffuse Hornhauttrübung
  • Hernien
  • Hepatosplenomegalie
  • Gebissanomalien

Die Erwägung einer MPS bei verdächtigen Kombinationen von Anzeichen und Symptomen ist der erste Schritt auf dem Weg zur endgültigen Diagnose einer bestimmten MPS-Erkrankung. Von besonderer Bedeutung ist hierbei die Kenntnis der heterogenen Natur langsam fortschreitender Erkrankungen, da diese unabdingbar ist, um bei vielen Patienten die Zeit bis zur Diagnose zu verkürzen.3

Phänotypische Variabilität der Zähne bei Patienten mit MPS.

Mit freundlicher Genehmigung von BioMarin.

Makroglossie bei einem Patienten mit MPS.

Mit freundlicher Genehmigung von Dr. C. Lampe (Wiesbaden).

Eine frühe Untersuchung ermöglicht eine zeitige Intervention.
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