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„Wir hoffen, dass Pädiater an den körperlichen Befunden und Radiologen an den Röntgenbildern erkennen, [dass] mit den Wirbeln etwas nicht stimmt [und] wir dieses Kind zu einem Genetiker schicken müssen.“ – Dr. Paul Harmatz

Beteiligung der Atemwege bei MPS: heterogene Erscheinungsbilder mit weitreichenden Konsequenzen

Die Pneumologie spielt eine wichtige Rolle bei der MPS-Diagnose

Menschen mit Mukopolysaccharidose (MPS) weisen häufig Atemwegssymptome auf, die zur Diagnose einer MPS führen können. Atemwegsobstruktion und Atemwegsstörungen sind herausragende Merkmale von MPS und können bereits im Frühstadium der Krankheit fortschreiten.1

Eine verzögerte Diagnose kann folgende Auswirkungen haben:

  • Schwere multisystemische Komplikationen3,5
  • Irreversible oder Endorganschäden5
  • Verzögerte Behandlung2
  • Fehlender Zugang zu krankheitsspezifischer Behandlung mit gleichzeitigem Anstieg des Risikos der Operationsmortalität5-9
Die Anzeichen und Symptome sind nicht vorhersagbar und über die gesamte Bandbreite sowie innerhalb der verschiedenen MPS-Erkrankungen klinisch heterogen, wodurch die Diagnose erschwert wird. Die Patienten können nicht-klassische und/oder klassische Anzeichen einer MPS sowie eine rasch oder langsam fortschreitende Erkrankung aufweisen.2-4

MPS vermuten, berücksichtigen und ausschließen

Aufgrund neuer Erkenntnisse und therapeutischer Optionen haben Pneumologen die Möglichkeit, das Leben von MPS-Patienten und deren Angehörigen durch ein zeitiges Erkennen positiv zu beeinflussen, indem eine krankheitsspezifische Intervention und der Zugang zu verfügbaren Therapien ermöglicht wird. Unbehandelt können Beeinträchtigungen der oberen Atemwege lebensverändernde Folgen haben:10,11

  • Eine obstruktive Schlafapnoe wird fortschreiten
  • Es kann sich eine chronische respiratorische Insuffizienz ausbilden, die zum vorzeitigen Tod führt

Auch wenn Patienten mit MPS in der Regel eine Reihe verschiedener oder eine Anhäufung von Symptomen zeigen, können schon einzelne Symptome ausreichen, um eine Überweisung an einen Genetiker oder ein Stoffwechselzentrum zu begründen.12

Atemwegserkrankungen sind bei den meisten MPS-Typen prävalent und äußern sich auf verschiedenartige Weise, darunter als Atemwegsverengung und obstruktive Schlafapnoe.11

Eine Querschnittsstudie zur Beurteilung obstruktiver Erkrankungen der oberen Atemwege bei 11 Patienten mit MPS zeigt die Auswirkungen einer Beeinträchtigung der oberen Atemwege.10

Measurements-indicated-upper-airway-obstructive-disease-in-MPS_AMc

Auch wenn Erscheinungsbild, Progression und Prävalenz der Atemwegssymptome bei den verschiedenen MPS-Erkrankungen unterschiedlich sind, gibt die nachstehende Tabelle einen Überblick über die häufigsten Atemwegskomplikationen bei MPS-Patienten.

Most-frequent-respiratory-involvement-in-patients-with-MPS_AMc

Bei vielen der mit MPS verbundenen Atemwegsmanifestationen ist eine Atemwegsobstruktion ein herausragendes Merkmal.11

  • Zunächst sind die obstruktiven Beschwerden in den oberen Atemwegen stärker ausgeprägt11
  • Tracheobronchiale Manifestationen treten erst später auf, sind aber häufig die Todesursache bei Patienten mit MPS I oder MPS II11
  • Bei Patienten mit erheblicher Skelettbeteiligung (MPS IV und VI) ist eine restriktive Lungenerkrankung vorherrschend11

Neben diesen oben erwähnten häufigen Atemwegsbeschwerden sollten die folgenden Merkmale ebenfalls Ihren Verdacht auf MPS bestärken:

  • Progressive respiratorische Insuffizienz und aufgetriebener Bauch, die auf eine restriktive Lungenerkrankung hinweisen11
  • Signifikant kleinere retropalatale und retroglossale Räume sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen10
  • Anomalien, die zu einer eingeschränkten ventilatorischen Kapazität führen und sich als verminderte Vitalkapazität äußern:
    • Hepatosplenomegalie11
    • Kyphoskoliose11
    • Pectus carinatum11
    • Minderwuchs11
    • Skelettdysplasie10
Bei Atemwegsmanifestationen sollte insbesondere bei Vorliegen anderer klassischer oder nicht-klassischer Anzeichen eine Überweisung an einen Genetiker oder ein Stoffwechselzentrum erfolgen.12

Machen Sie sich gründlich mit den Anzeichen und Symptomen vertraut, die Ihren Verdacht auf eine MPS bestärken sollten

Das Erscheinungsbild und die Krankheitsprogression sind nicht vorhersagbar und über die gesamte Bandbreite sowie innerhalb der verschiedenen MPS-Erkrankungen multisystemisch und variabel, wodurch die Diagnose erschwert wird.5

Die Diagnose wird häufig erst verzögert gestellt, was schlimme Folgen für Ihre Patienten haben kann. Ein frühzeitiges Erkennen der Anzeichen und Symptome in verschiedenen Organsystemen kann für die zeitige und genaue Diagnose von entscheidender Bedeutung sein.2,5,7 Machen Sie sich mit den verschiedenen Anzeichen und Symptomen von MPS vertraut, die in Ihrer Abteilung auftreten könnten.2

Andere Erscheinungsbilder von MPS

Muster bestimmter Anzeichen und Symptome sollten den klinischen Verdacht auf MPS bestärken

Es gibt deutliche und im Allgemeinen sichtbare Anzeichen, die unabhängig von den klinischen Begleitumständen den Verdacht auf MPS wecken sollten. Bei genauerer Untersuchung können mithilfe von fachärztlichen klinischen Beurteilungen, Laborbefunden und Patientenanamnesen u. U. weitere Symptome entdeckt werden. Diese Unterteilung ist nachstehend dargestellt.

Anzeichen und Symptome von MPS2-5,13-27

Bewegungsapparat

Allgemeine Merkmale

  • Ganganomalie
  • Knochendysplasie
  • Klauenhände
  • Grobe Gesichtszüge
  • Gelenkschmerzen
  • Makrozephalus
  • Pectus carinatum
  • Verminderte Ausdauer/Belastungsintoleranz
  • Kleinwuchs/Wachstumsverzögerunga

Merkmale, die bei einer fachärztlichen Untersuchung festgestellt werden können

  • Ganganomalie
  • Knochenfehlbildungen
  • Dysostosis multiplex
  • Genu valgum
  • Entzündungsfreie Gelenkbeteiligung (Kontrakturen, Gelenklaxität)
  • Subluxation der Wirbelsäule

Rheumatologie

Allgemeine Merkmale

  • Verminderte Gelenkbeweglichkeit
  • Hüftsteife und -schmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Gelenksteife oder -laxizität

Merkmale, die bei einer fachärztlichen Untersuchung festgestellt werden können

  • Karpaltunnelsyndrom
  • Gelenkbeteiligung ohne Gelenkschwellung oder erosive Knochenläsionen

Hals, Nase und Ohren

Allgemeine Merkmale

  • Konduktiver und/oder sensorineuraler Hörverlust
  • Vergrößerte Zunge
  • Rezidivierende Otitis media

Merkmale, die bei einer fachärztlichen Untersuchung festgestellt werden können

  • Epiglottisanomalie
  • Abgeflachter Nasenrücken
  • Adenoide Hypertrophie
  • Hypertrophe Mandeln
  • Ohrenausfluss
  • Verengung der supra- und infraglottischen Atemwege
  • Knochenfehlbildung
  • Rezidivierende und starke Rinorrhoe
  • Rezidivierende Otitis media
  • Verdickung/Kompression der Luftröhre
  • Tubenobstruktion
  • Verdickung des Trommelfells

Augen

Allgemeine Merkmale

  • Katarakte
  • Diffuse Hornhauttrübung
  • Glaukom

Merkmale, die bei einer fachärztlichen Untersuchung festgestellt werden können

  • Amblyopie
  • Hornhauttrübung mit charakteristischer „milchglasartiger‟ Erscheinung
  • Starke Hyperopie
  • Hypertelorismus
  • Sehnervanomalien (Schwellung und Atrophie)
  • Periphere Hornhautvaskularisation
  • Progressiver Pseudoexophthalmus
  • Visusminderung
  • Retinopathie
  • Strabismus

Nervensystem

Allgemeine Merkmale

  • Verhaltensauffälligkeiten (treten bei MPS IVA und VI in der Regel nicht auf)
  • Entwicklungsverzögerung (tritt bei MPS IVA und VI in der Regel nicht auf)
  • Hörstörung
  • Krampfanfälle (treten bei MPS IVA und VI in der Regel nicht auf)

Merkmale, die bei einer fachärztlichen Untersuchung festgestellt werden können

  • Arachnoidalzysten (treten bei MPS IVA und VI in der Regel nicht auf)
  • Hirnatrophie (tritt bei MPS IVA und VI in der Regel nicht auf)
  • Karpaltunnelsyndrom
  • Kompression/Myelopathie/Subluxation des zervikalen Rückenmarks
  • Vergrößerter Perivaskulärraum
  • Hydrozephalus
  • Fehlbildung des Dens axis
  • Pachymeningitis cervicalis
  • Papillenödem/Optikusatrophie
  • Sensorineurale Taubheit
  • Signalintensitätsanomalien
  • Spinalkanalstenose
  • Ventrikulomegalie

Herz-Kreislauf-System

Allgemeine Merkmale

  • Verminderte Ausdauer/Belastungsintoleranz

Merkmale, die bei einer fachärztlichen Untersuchung festgestellt werden können

  • Pulmonale Hypertonie
  • Verdickte, regurgitierende oder stenotische Mitral- oder Aortenklappen mit linksventrikulärer Hypertrophie
  • Trikuspidalklappenregurgitation

Lunge

Allgemeine Merkmale

  • Verminderte Ausdauer/Belastungsintoleranz
  • Schlafapnoe

Merkmale, die bei einer fachärztlichen Untersuchung festgestellt werden können

  • Obstruktion der oberen und unteren Atemwege (Bronchienverengung, Verengung der supra- und infraglottischen Atemwege)
  • Progressive Abnahme des Lungenvolumens
  • Atemwegsinfekte
  • Schlafstörungen (obstruktive Schlafapnoe/Hypopnoe-Syndrom und obstruktives Schnarchen)

Magen-Darm-Trakt

Allgemeine Merkmale

  • Bauchschmerzen
  • Obstipation
  • Hepatosplenomegalie
  • Hernien
  • Weicher Stuhl

Merkmale, die bei einer fachärztlichen Untersuchung festgestellt werden können

  • Hepatosplenomegalie

Gebiss

Allgemeine Merkmale

  • Abnorme Bukkalflächen
  • Dentinogenesis imperfecta
  • Hypodontie
  • Spitze Zahnhöcker
  • Schaufelzähne
  • Dünner Zahnschmelz

Merkmale, die bei einer fachärztlichen Untersuchung festgestellt werden können

  • Abnorme Bukkalflächen
  • Dünner Zahnschmelz

aSkelettbeteiligung und Kleinwuchs können bei manchen Patienten weniger stark ausgeprägt sein.

Da Atemwegssymptome häufig schon früh im natürlichen Verlauf von MPS-Erkrankungen auftreten, können Pneumologen eine wichtige Rolle bei der Identifikation von Menschen mit MPS spielen. Pneumologen können zur Optimierung der Patientenergebnisse beitragen, indem sie entsprechende Patienten zur endgültigen Diagnose und ggf. Einleitung einer Behandlung frühzeitig an einen Genetiker oder ein Stoffwechselzentrum überweisen.

Weitere Informationen

Eine frühe Untersuchung ermöglicht eine zeitige Intervention.
Schieben Sie sie nicht auf.

Ein neues Zeitalter der Behandlung. Bleiben Sie auf dem neuesten Stand bei MPS.

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