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„Wir hoffen, dass Pädiater an den körperlichen Befunden und Radiologen an den Röntgenbildern erkennen, [dass] mit den Wirbeln etwas nicht stimmt [und] wir dieses Kind zu einem Genetiker schicken müssen.“ – Dr. Paul Harmatz

Gelenkmanifestationen sind häufig eines der ersten Anzeichen von MPS

Der Verdacht des Rheumatologen auf MPS ist für die genaue und frühzeitige Diagnose unverzichtbar

Knochen- und gelenkbezogene Merkmale treten bei den meisten Formen der Mukopolysaccharidosen (MPS) häufig bereits in einem sehr frühen Stadium der Erkrankung auf. Patienten mit diesen Arten von Manifestationen am Bewegungsapparat werden häufig bei einem Rheumatologen vorstellig, und dies oftmals vor der Diagnose einer MPS.1

Eine verzögerte Diagnose kann folgende Auswirkungen haben:

  • Schwere multisystemische Komplikationen1,3
  • Irreversible oder Endorganschäden1
  • Verzögerte Behandlung2
  • Fehlender Zugang zu krankheitsspezifischer Behandlung mit gleichzeitigem Anstieg des Risikos der Operationsmortalität1,5-8
Die Anzeichen und Symptome sind nicht vorhersagbar und über die gesamte Bandbreite sowie innerhalb der verschiedenen MPS-Erkrankungen klinisch heterogen, wodurch die Diagnose erschwert wird. Die Patienten können nicht-klassische und/oder klassische Anzeichen einer MPS sowie eine rasch oder langsam fortschreitende Erkrankung aufweisen.2-4

MPS vermuten, berücksichtigen und ausschließen

Aufgrund der frühzeitigen und fortwährenden Gelenkbeteiligung haben Rheumatologen die Möglichkeit, das Leben von MPS-Patienten und deren Angehörigen durch eine zeitige Erkennung positiv zu beeinflussen, indem eine krankheitsspezifische Behandlung und der Zugang zu verfügbaren Therapien ermöglicht wird. Zur zügigeren Intervention sollte auf folgende Anzeichen und Symptome geachtet werden:

  • Gelenksteife oder -laxität6,9
  • Entzündungsfreie Gelenkbeteiligung10
  • Fortschreitender Verlust der Gelenkbeweglichkeit5
  • Karpaltunnelsyndrom10
  • Knochenanomalien10
Die rheumatologische Beteiligung ist durchgängig progressiv, wobei Inzidenz und Schweregrad mit der Zeit zunehmen. Auch wenn Patienten mit MPS in der Regel eine Reihe verschiedener oder eine Anhäufung von Symptomen zeigen, können schon einzelne Symptome ausreichen, um eine Überweisung an einen Genetiker oder ein Stoffwechselzentrum zu begründen.1,11

Die Anzeichen und Symptome können diskret oder deutlich sein. Häufig auftretende Knochen- und Gelenkmerkmale, die eine MPS vermuten lassen, sind:1

  • Frühzeitige Gelenkbeteiligung ohne klassische Entzündungsmerkmale oder erosive Knochenläsionen
  • „Klauenhand‟
  • Deformierte Wirbelsäule (leichter oder deutlicher Buckel, Skoliose, Kyphose, Lordose)
  • Radiologischer Befund einer Dysostosis multiplex

Weitere unter Umständen auftretende Anzeichen und Symptome sind in der nachstehenden Tabelle aufgeführt.

Musculoskeletal-manifestations-of-MPS_AMc

Nicht alle Gelenkprobleme äußern sich bei allen MPS-Typen auf ähnliche Weise.

  • Die Skelettdysplasie bei Patienten mit MPS IV unterscheidet sich von der Dysostosis multiplex, die bei anderen MPS-Typen beobachtet wird6
  • Die mit der MPS IV verbundene Bandlaxität/Hypermobilität der Gelenke ist ebenfalls einzigartig. Bei anderen MPS-Typen äußert sich die Gelenkbeteiligung in der Regel als eingeschränkte Beweglichkeit und Steife6

MPS werden fälschlicherweise als Krankheiten betrachtet, die im Kindesalter auftreten. Patienten mit langsam fortschreitender MPS können jedoch in jedem Alter vorstellig werden, weshalb eine mögliche MPS altersunabhängig in Erwägung gezogen werden sollte.6

  • Eine Gelenkerkrankung mit oder ohne Entzündung ist ein Hauptmerkmal einer langsam fortschreitenden MPS6
  • Rheumatologen sollten bei Patienten mit einem der folgenden Merkmale eine Überweisung zur Abklärung einer MPS in Erwägung ziehen:
    • Oligoartikuläre juvenile idiopathische Arthritis, die nicht auf eine entzündungshemmende Therapie (z. B. mit nichtsteroidalen Antirheumatika) anspricht10,7
    • Familiärer Hintergrund mit ähnlich betroffenen Geschwistern2,7
    • MRT-Befund einer proliferativen Synovitis ohne Erosionen7
    • Gelenkschmerzen und -kontrakturen ohne systemische oder lokale Entzündungszeichen6

Steife und Kontrakturen können zwar in allen Gelenken auftreten, werden aber häufig an den Fingergelenken beobachtet.6

  • Die charakteristische „Klauenhand‟ entsteht, wenn Interphalangealgelenke in den Händen betroffen sind6
    • Bei MPS-Patienten kommt es häufiger zu einer Beteiligung der distalen Interphalangealgelenke6
    • Bei Patienten mit entzündlicher Arthritis sind häufiger die proximalen Interphalangeal- oder Metacarpophalangealgelenke beteiligt6
  • Da es während der Kindheit nur gelegentlich vorkommt, sollte das Auftreten eines Karpaltunnelsyndroms bei einem Kind den Verdacht auf eine MPS lenken6

Machen Sie sich gründlich mit den Anzeichen und Symptomen vertraut, die Ihren Verdacht auf eine MPS bestärken sollten

Das Erscheinungsbild und die Krankheitsprogression sind nicht vorhersagbar und über die gesamte Bandbreite sowie innerhalb der verschiedenen MPS-Erkrankungen multisystemisch und variabel, wodurch die Diagnose erschwert wird.1

Die Diagnose wird häufig erst verzögert gestellt, was schlimme Folgen für Ihre Patienten haben kann. Eine frühzeitige Erkennung der Anzeichen und Symptome in verschiedenen Organsystemen kann für die zeitige und genaue Diagnose von entscheidender Bedeutung sein. Machen Sie sich mit den verschiedenen Anzeichen und Symptomen von MPS vertraut, die in Ihrer Abteilung auftreten könnten.1,2,6

Eine häufiger vorkommende Gelenkerkrankung oder MPS?

Die bei MPS auftretenden Gelenkerkrankungen können wie häufiger vorkommende rheumatologische Krankheiten erscheinen und daher mit diesen verwechselt werden.6 Da eine Behandlung von MPS lebensverändernde Auswirkungen haben kann, ist eine frühzeitige und genaue Diagnose von entscheidender Bedeutung. Überweisen Sie den Patienten bei Verdacht auf MPS an einen Genetiker oder das örtliche Stoffwechselzentrum.1

Differential-diagnoses-to-rule-out-MPS-110_AMc
Rheumatologen sollten bei allen Patienten, die entweder Gelenkkontrakturen oder -laxität mit oder ohne Entzündung aufweisen, differentialdiagnostisch eine MPS berücksichtigen.1,10

Andere Erscheinungsbilder von MPS

Muster bestimmter Anzeichen und Symptome sind starke Hinweise auf MPS

Es gibt deutliche und im Allgemeinen sichtbare Anzeichen, die unabhängig von den klinischen Begleitumständen den Verdacht auf MPS wecken sollten. Bei genauerer Untersuchung können mithilfe von fachärztlichen klinischen Beurteilungen, Laborbefunden und Patientenanamnesen u. U. weitere Symptome entdeckt werden. Diese Unterteilung ist nachstehend dargestellt.

Anzeichen und Symptome von MPS1-4,10,12–25

Bewegungsapparat

Allgemeine Merkmale

  • Ganganomalie
  • Knochendysplasie
  • Klauenhände
  • Grobe Gesichtszüge
  • Gelenkschmerzen
  • Makrozephalus
  • Pectus carinatum
  • Verminderte Ausdauer/Belastungsintoleranz
  • Kleinwuchs/Wachstumsverzögerunga

Merkmale, die bei einer fachärztlichen Untersuchung festgestellt werden können

  • Ganganomalie
  • Knochenfehlbildungen
  • Dysostosis multiplex
  • Genu valgum
  • Entzündungsfreie Gelenkbeteiligung (Kontrakturen, Gelenklaxität)
  • Subluxation der Wirbelsäule

Rheumatologie

Allgemeine Merkmale

  • Verminderte Gelenkbeweglichkeit
  • Hüftsteife und -schmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Gelenksteife oder -laxität

Merkmale, die bei einer fachärztlichen Untersuchung festgestellt werden können

  • Karpaltunnelsyndrom
  • Gelenkbeteiligung ohne Gelenkschwellung oder erosive Knochenläsionen

Hals, Nase und Ohren

Allgemeine Merkmale

  • Konduktiver und/oder sensorineuraler Hörverlust
  • Vergrößerte Zunge
  • Rezidivierende Otitis media

Merkmale, die bei einer fachärztlichen Untersuchung festgestellt werden können

  • Epiglottisanomalie
  • Abgeflachter Nasenrücken
  • Adenoide Hypertrophie
  • Hypertrophe Mandeln
  • Ohrenausfluss
  • Verengung der supra- und infraglottischen Atemwege
  • Knochenfehlbildung
  • Rezidivierende und starke Rinorrhoe
  • Rezidivierende Otitis media
  • Verdickung/Kompression der Luftröhre
  • Tubenobstruktion
  • Verdickung des Trommelfells

Augen

Allgemeine Merkmale

  • Katarakte
  • Diffuse Hornhauttrübung
  • Glaukom

Merkmale, die bei einer fachärztlichen Untersuchung festgestellt werden können

  • Amblyopie
  • Hornhauttrübung mit charakteristischer „milchglasartiger‟ Erscheinung
  • Starke Hyperopie
  • Hypertelorismus
  • Sehnervanomalien (Schwellung und Atrophie)
  • Periphere Hornhautvaskularisation
  • Progressiver Pseudoexophthalmus
  • Visusminderung
  • Retinopathie
  • Strabismus

Nervensystem

Allgemeine Merkmale

  • Verhaltensauffälligkeiten (treten bei MPS IVA und VI in der Regel nicht auf)
  • Entwicklungsverzögerung (tritt bei MPS IVA und VI in der Regel nicht auf)
  • Hörstörung
  • Krampfanfälle (treten bei MPS IVA und VI in der Regel nicht auf)

Merkmale, die bei einer fachärztlichen Untersuchung festgestellt werden können

  • Arachnoidalzysten (treten bei MPS IVA und VI in der Regel nicht auf)
  • Hirnatrophie (tritt bei MPS IVA und VI in der Regel nicht auf)
  • Karpaltunnelsyndrom
  • Kompression/Myelopathie/Subluxation des zervikalen Rückenmarks
  • Vergrößerter Perivaskulärraum
  • Hydrozephalus
  • Fehlbildung des Dens axis
  • Pachymeningitis cervicalis
  • Papillenödem/Optikusatrophie
  • Sensorineurale Taubheit
  • Signalintensitätsanomalien
  • Spinalkanalstenose
  • Ventrikulomegalie

Herz-Kreislauf-System

Allgemeine Merkmale

  • Verminderte Ausdauer/Belastungsintoleranz

Merkmale, die bei einer fachärztlichen Untersuchung festgestellt werden können

  • Pulmonale Hypertonie
  • Verdickte, regurgitierende oder stenotische Mitral- oder Aortenklappen mit linksventrikulärer Hypertrophie
  • Trikuspidalklappenregurgitation

Lunge

Allgemeine Merkmale

  • Verminderte Ausdauer/Belastungsintoleranz
  • Schlafapnoe

Merkmale, die bei einer fachärztlichen Untersuchung festgestellt werden können

  • Obstruktion der oberen und unteren Atemwege (Bronchienverengung, Verengung der supra- und infraglottischen Atemwege)
  • Progressive Abnahme des Lungenvolumens
  • Atemwegsinfekte
  • Schlafstörungen (obstruktive Schlafapnoe/Hypopnoe-Syndrom und obstruktives Schnarchen)

Magen-Darm-Trakt

Allgemeine Merkmale

  • Bauchschmerzen
  • Obstipation
  • Hepatosplenomegalie
  • Hernien
  • Weicher Stuhl

Merkmale, die bei einer fachärztlichen Untersuchung festgestellt werden können

  • Hepatosplenomegalie

Gebiss

Allgemeine Merkmale

  • Abnorme Bukkalflächen
  • Dentinogenesis imperfecta
  • Hypodontie
  • Spitze Zahnhöcker
  • Schaufelzähne
  • Dünner Zahnschmelz

Merkmale, die bei einer fachärztlichen Untersuchung festgestellt werden können

  • Abnorme Bukkalflächen
  • Dünner Zahnschmelz

aSkelettbeteiligung und Kleinwuchs können bei manchen Patienten weniger stark ausgeprägt sein.

Patienten mit nicht diagnostizierter MPS haben häufig gelenkbezogene Anzeichen und Symptome (die anderen rheumatologischen Erkrankungen ähneln können) und suchen dementsprechend einen Rheumatologen auf.6 Deshalb spielt die Rheumatologie eine wichtige Rolle bei der Identifikation von Menschen mit MPS. Entsprechende Patienten sollten zur endgültigen Diagnose und ggf. Einleitung einer Behandlung an einen Genetiker oder ein Stoffwechselzentrum überwiesen werden.1

Weitere Informationen

Eine frühe Untersuchung ermöglicht eine zeitige Intervention.
Schieben Sie sie nicht auf.

Ein neues Zeitalter der Behandlung. Bleiben Sie auf dem neuesten Stand bei MPS.

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